700. Montagsdemo, 18. März 2024, 18 Uhr, Hauptbahnhof Stuttgart700-montagsdemo-18-maerz-2024-18-uhr-hauptbahnhof-stuttgart

Herzliche Einladung zur 700. Montagsdemo am 18. März 2024, 18 Uhr vor dem Hauptbahnhof!

Redner*innen: Carola Rackete, Kapitänin, Aktivistin, Europaparlamentskandidatin Jürgen Resch, Deutsche Umwelthilfe (DUH) Volker Lösch, Theater-Regisseur Musik: Lenkungskreis Jazz Moderation: Dr. Angelika Linckh
publish2024-03-01 06:00:36Demo K21-neu Montagsdemo
Demonstration für Bahnstrecke Zürich – Stuttgart Hauptbahnhofdemonstration-fuer-bahnstrecke-zuerich-stuttgart-hauptbahnhof

Aufruf zur Demonstration für den Erhalt und Ausbau der Bahnstrecke Zürich – Stuttgart bis zum Hauptbahnhof

Donnerstag, 22.02.2024 um 15.00 Uhr (nicht 15.30 Uhr!), Marktpatz Stuttgart

Die Deutsche Bahn plant, die Gäubahn ab 2025 vom Stuttgarter Hauptbahnhof abzuhängen und in S-Vaihingen enden zu lassen. Damit müssten Bahnreisende aus Zürich/Mailand kommend in S-Vaihingen in andere Verkehrsmittel umsteigen, um zum Hauptbahnhof zu gelangen, weil nur von dort weitere Verbindungen z.B. nach Berlin oder Paris möglich sind.Das wäre eine weitere Verschlechterung von Komfort und Reisezeit für Bahnreisende und konterkariert die dringend notwendige Verkehrs- und Klimawende. Die Initiative Pro Gäubahn Rottweil und weitere Initiativen entlang der Gäubahn haben sich zum Ziel gesetzt, dies zu verhindern. Diese wichtige internationale Magistrale in Europas Süden muss an den Stuttgarter Hauptbahnhof angeschlossen bleiben! Die Initiative ruft daher zu einer angemeldeten Demonstration am kommenden Donnerstag, 22.02.2024 um 15.00 Uhr, Marktpatz Stuttgart Mitte (vor dem Rathaus), auf. Zur selben Zeit tagt der Stuttgarter Gemeinderat, der eine Kappung der Gäubahn maßgeblich verhindern könnte, möchte aber die Gleisanlage einem Immobilien-Projekt zuführen. Die Initiative freut sich über eine rege Beteiligung an dieser Demonstration aus der gesamten Raumschaft. Ab Rottweil gibt es eine Zugverbindung (teilweise SEV) um 13.17 Uhr.
publish2024-02-19 20:00:20Aktuelles Demo K21-neu
689. Montagsdemo, "Prinzip Stuttgart21 in Hamburg"689-montagsdemo-prinzip-stuttgart21-in-hamburg
https://youtu.be/7NIQ2UgLJKc Liebe Freund*innen von Demokratie, Kopfbahnhof und Vernunft, zu unserer Jahresabschluss-Kundgebung am Montag, 18.12.23 auf dem Kleinen Schlossplatz haben wir besondere Highlights: Dr. Jürgen Bönig, Hamburgs profundester Technik-Historiker, kommt und spricht über das "Prinzip Stuttgart21 in Hamburg." Zu dieser hochspannenden Rede könnte niemand besser Musik machen als Stefan Hiss mit seinem Akkordeon! Die Stadtregierung verkauft den Hafen (die stadteigene HHLA GmbH)  an die größte Reederei Europas - nach Deals im Stil des "IHK-Weinberghäusles". Und - Überraschung! - Dr. Rüdiger Grube mischt als Vorsitzender des Aufsichtsrats der HHLA mit. Unser ehrbarer Hamburger Kaufmann hatte 2016 noch "volle Transparenz" versprochen und heilige Eide geschworen, dass Stuttgart21 maximal 6,5 Mrd.€ kosten und "nichts versteckt" würde. Seit 2 Wochen ist bekannt, dass er schon 2013 gewusst hat, dass 11 Mrd.€ nicht reichen werden. Detallierte Informationen zu dem Hamburger HHLA-Deal in dieser Beilage der Zeitschrift "Sozialismus". Zu sehen oben im Trailer zur Kundgebung (Danke an Eberhard Linckh!) - leiten Sie ihn gerne weiter. Seien auch Sie dabei am Montag! Herzliche Oben-Bleiber Grüße aus Stuttgart! PS: Alles, was wir auf die Füße stellen gegen Stuttgart21, klimazerstörende Tunnel-Mania und für eine funktionierende Klimabahn, wird ehrenamtlich geleistet. Und kostet trotzdem jede Woche Geld. Wenn Sie uns dabei unterstützen können: hier noch einmal per Klick zur gemeinsamen Spendenkampagne von Aktionsbündnis und Umkehrbar e.V. (Mahnwache und Demoteam): https://spenden.twingle.de/umkehrbar-ev/gegenhalten-fuer-den-langen-atem-gegen-s21-2023/tw6567c360267aa/page Wer traditionelle Überweisungen vorzieht: Umkehrbar e.V. • IBAN: DE45 4306 0967 7020 6274 02
publish2023-12-17 16:03:08Demo Dokumente K21-neu Montagsdemo Videos
newS21letter (Werners Rundmail) vom 6.12.23news21letter-werners-rundmail-vom-6-12-23
(hier der newS21letter als pdf-Datei) Liebe Freundinnen und Freunde, es gibt viel zu tun gegen die Verheerungen dieses Projekts. Je näher der mutmaßliche Eröffnungstermin rückt, desto mehr. Besser gesagt: es gäbe viel zu tun. Denn an Ideen, wie David gegen den S21-Goliath gerade jetzt angehen könnte, fehlt es nicht, oft aber an den Ressourcen. Die aktiven Ehrenamtlichen bleiben dran, können aber nicht mehr aus sich rausholen. Mit mehr Geld könnte ihr Einsatz gegen das Ewigkeitsprojekt Stuttgart21 aber noch effektiver sein. Die kleine Mahnwache könnte der millionenschweren S21-Propaganda im Lügenturm wirkungsvoller paroli bieten. Das Demoteam könnte entspannter arbeiten, wenn die Finanzierung der Demos langfristig gesichert wäre, und könnte sich vielleicht noch das eine oder andere feature leisten, und das Aktionsbündnis könnte mit mehr finanzieller Beinfreiheit breiten- bzw. werbewirksamer agieren und hier und da mit externem Sachverstand viel mehr von besagten Ideen angehen – politisch und juristisch.

Deshalb: mehr Geld gegen Stuttgart21!

Hier geht’s zur Spendenkampagne „Gegenhalten! - Für den langen Atem gegen S21“.

Und so geht’s weiter mit den Montags-Demos Nr. 688 ff:

11.12. Luigi Pantisano (Stadtrat Die FrAktion) Der Stadthaushalt 2024/25 und worum unsere Gemeinderats-FrAktion bis zum Schluss kämpfen wird (18h Kleiner Schlossplatz) 18.12. Dr. Jürgen Bönig Stuttgart 21 in Hamburg - die geplante Privatisierung des Hamburger Hafens (HHLA) mit weitreichenden Folgen (18h Kleiner Schlossplatz) Weihnachtspause, dann mit Schwung und Ausdauer ins Protestjahr 2024 am: 8.1. mit, wem wohl? Peter Grohmann! (18h Schlossplatz) & Gruß von Werner
publish2023-12-06 10:45:43Aktuelles Demo K21-neu newS21letter
Greenwashing durch Grünen Verkehrsministergreenwashing-durch-gruenen-verkehrsminister
Stuttgart 21-Gegner demonstrieren gegen Konferenz „Klimaschutz im Verkehr“ (hier die Pressemitteilung als pdf-Datei) Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann veranstaltet am 6./7. November einen Kongress mit dem Thema „Klimaschutz im Verkehr“, bei dem das entscheidende Hindernis für eine Verkehrswende in Baden-Württemberg nicht thematisiert wird: Hermann propagiert die Ziele „Verdoppelung des öffentlichen Verkehrs“ und „ein Fünftel weniger Kfz-Verkehr in Stadt und Land“, verliert aber kein Wort darüber, dass das mit dem Projekt Stuttgart 21 nicht möglich ist. Denn Stuttgart 21 verkleinert die Leistung des Bahnhofs um 40 Prozent. Es wird mit dem ICE-Anschluss zum Flughafen – dessen Aufsichtsratsvorsitzender Hermann ist – beworben und damit de facto mit mehr klimaschädlichem Flugverkehr. Und mit dem als Ziel von Stuttgart 21 geplanten Rosensteinquartier wird – ausgerechnet in Zeiten des Klimawandels – eine zentrale Frischluftschneise der Stadt zugebaut. Der Verkehrsminister verschweigt auf dem Kongress, dass wegen der viel zu geringen Leistungsfähigkeit des im Bau befindlichen Tiefbahnhofs weitere 47 Kilometer Tunnel („Ergänzungsprojekte“) aus klimaschädlichem Stahlbeton gebaut werden sollen. Und er verschweigt, dass er wegen dieser mangelnden Leistungsfähigkeit plant, die Vorortbahnhöfe Vaihingen, Feuerbach und Bad Cannstatt so auszubauen, dass über sie ein Gutteil des Regionalzugverkehrs abgewickelt und – ein Treppenwitz der Geschichte – am zu kleinen Tiefbahnhof vorbeigeführt werden kann. Der Verkehrsminister verschweigt all die klimaschädlichen Folgen von Stuttgart 21 und lädt sogar – ausgerechnet auf einer Klimaschutz-Konferenz – die Gäste in eine Werbe-Ausstellung für das Rosensteinquartier und in den Werbeturm für das Projekt Stuttgart 21 ein. Der Verkehrsminister verpasst damit die Chance, zu einer echten Wende auch beim Projekt Stuttgart 21 aufzurufen. Auf einer solchen Konferenz müsste er Stadt und Land dazu auffordern umzusteuern, z.B. auf das alternative Konzept „Umstieg 21“. Dieses schlägt bekanntlich vor, den Kopfbahnhof zu erhalten und das bereits für S21 Gebaute klimafreundlich umzunutzen. Er weiß, dass das erforderlich wäre, und er weiß, dass es möglich wäre. Denn jeder Vertrag kann gekündigt und geändert werden, wenn ein Vertragspartner das fordert. Bündnissprecher Martin Poguntke: „Wenn Winfried Hermann unter der Losung, den Durchbruch für den Klimaschutz in Stadt und Land anzustreben, ausgerechnet das klimaschädlichste Projekt weit und breit – Stuttgart 21 – bewirbt und dessen katastrophale Auswirkungen verschweigt, dann betreibt er schlimmen Etikettenschwindel und führt die Öffentlichkeit hinters Licht. Das ist Greenwashing in Reinform.“ Die Stuttgart 21-Bewegung wird deshalb am Montag, 6. November um 11 Uhr zur Begrüßung der Kongress-Teilnehmer*innen ihren Protest deutlich machen – u.a., indem mit einer Reihe von Schildern die einzelnen Kritikpunkte visualisiert werden. Kontakt:   Martin Poguntke, 0151 403 602 56, Werner Sauerborn, 0171 320 980 1
publish2023-11-03 11:04:42Aktuelles Demo K21-neu Pressemitteilungen
682. Montagsdemo gegen S21 am 30.10.23682-montagsdemo-gegen-s21-am-30-10-23
https://youtu.be/8sEXIm5fl_0 Herzliche Einladung zur 682. Montagsdemo gegen Stuttgart 21 am 30.10.23 um 18 Uhr auf dem Schlossplatz, Stuttgart! Redner: Volker Lösch, Theaterregisseur Musik: Mike Janipka, Gitarre und Gesang Moderation: Dr.med Dipl.-Psych. Angelika Linckh
publish2023-10-27 14:58:56Demo K21-neu Montagsdemo Videos
Rede von Dr. Norbert Bongartz auf der 680. Montagsdemo am 16.10.23rede-von-dr-norbert-bongartz-auf-der-680-montagsdemo-am-16-10-23
(hier als pdf-Datei)

UMSTIEG21: Einladung an Plagiatoren und Umsetzer

Liebe, über die märchenhaften geschönten Trugbilder zu S21 aufgeklärte Freunde unseres vergewaltigten Kopfbahnhofs! Vor fast 10 Jahren hatte sich als Initiative des Aktionsbündnisses eine kleine Arbeitsgruppe zusammenge-funden, die sich zum Ziel gesetzt hatte, den vielen, auch heute noch berechtigten Kritikpunkten am Projekt Stuttgart 21 ein alternatives Konzept mit konkreten Visionen zur Seite zu stellen, wie die Zukunft des Bahnknotens in und um Stuttgart aussehen könnte, wenn S21 voraussichtlich scheitert. Damals waren noch Peter Dübbers mit dabei, der Enkel des Architekten Paul Bonatz, und Klaus Gebhard, einer der Gründer der Parkschützer. Unsere erste Idee, dem alternativen Konzept selbstbewusst die vielleicht zu offiziös und anspruchsvoll klingende Überschrift „PlanB“ zu verpassen, hatten wir bei der Veröffentlichung 2016 verworfen und durch den bescheideneren Titel UMSTIEG21 ersetzt, mit dem wir auch eine Aufforderung zu einem Kurs-wechsel verdeutlichen wollten, den wir angesichts der offensichtlichen Sackgasse für S21 vor uns sahen. Wie sich seither erwiesen hat, ist unser Umstiegskonzept eine der Argumentations-Säulen und eine der Kraftquellen, auf denen unser Widerstand fußt. Unser Umstiegs-Logo über dieser Bühne ergänzt seither das traditionelle gelbe Schild mit dem rot durchgestrichenen Stuttgart-21-Schriftzug. Wir haben unser Konzept zweimal überarbeitet, 2018 als ein „Update“ und danach 2021 mit seiner immer noch aktuellen Fassung angepasst an die jeweilige Entwicklung von Zerstörung und dem Bauzustand – von Baufortschritt wollen, ja können wir hier nicht sprechen… Blieb das mediale Echo auf das Umstiegskonzept bedauerlicherweise bescheiden, so blieb ein positives Echo von Seiten der Projektpartner ganz aus – UMSTIEG21 wurde einfach ignoriert, fast bis heute, denn in den letzten Wochen haben sich an drei Stellen erste scheinbare Erfolge unserer Ideen und Forderungen abgezeichnet: Beispiel 1: Die von Klaus Gebhard schon in der ersten Umstieg-Fassung von 2016 ausgearbeitete und vorgeschlagene Verlängerung der S-Bahn-Trasse auf den Fildern zwischen dem Flughafen bis hinunter ins Neckartal bis Wendlingen haben sich die von einem Ringschluss profitierenden Fildergemeinden inzwischen zu eigen gemacht und verfolgen sie mit Nachdruck. Die Vorteile liegen ja auch auf der Hand: Die Filder wären per S-Bahn endlich auch direkt ins Neckartal angeschlossen, und von Ulm oder von Tübingen kommend, wären die Filder, der Flughafen und die Messe auf kurzem Weg mit der S-Bahn erreichbar, denn der weite Umweg über den Stuttgarter Hauptbahnhof wäre nicht mehr nötig. Den Urheber dieser Idee, Klaus Gebhard, zu nennen oder ihm dafür zu danken, unterblieb… Wir könnten darüber sauer, zum mindesten enttäuscht sein. Beispiel 2: Wie die Stuttgarter Zeitung am letzten Mittwoch berichtete, plant die Deutsche Bahn neuer-dings, entlang der Panoramabahnstrecke im Zuge der Gäubahn die Schwellen auszutauschen. Bekannt-lich hatte sie bislang vor, diese Strecke nach Eröffnung des Tiefbahnhofs stillzulegen. Mittlerweile habe aber, wie Christian Milankovic in der Stuttgarter Zeitung berichtete, ein Umdenken eingesetzt. Die Trasse, die sich entlang des Kesselrandes durch den Stuttgarter Norden und Westen schlängelt, bleibe zwischen dem Nordbahnhof und Vaihingen erhalten – immerhin, können wir sagen, denn das sah auch unser Kon-zept UMSTIEG21 vor, allerdings auf die gesamte Länge, bis zum Kopfbahnhof! Ist damit ein weiterer Dominostein zugunsten einer Erhaltung des Kopfbahnhofs gefallen? Beispiel 3: Auf der Homepage des Aktionsbündnisses (Kopfbahnhof-21.de) findet sich Werner Sauer-borns aktueller, mal wieder brillanter Rundbrief vom 11. Oktober, in dem er von einem weiteren Thema berichtet, das wir im Umstiegskonzept vorgestellt hatten: davon, dass es einen Bedarf für eine von öffent-licher Hand oder von einer Non-profit-Gesellschaft getragene unterirdische Citylogistik gibt, die sich nach einer Beendigung von S21 als Beitrag zur Verkehrswende in der vom Autoverkehr überlasteten Innenstadt in den frei werdenden Tunnelröhren der Bahn problemlos einbauen ließe. Der konkrete Bezugspunkt war eine von der Stadt beim Karlsruher Institut für Technologie, KIT, bei der FC-Gruppe Karlsruhe und bei der Stuttgarter Hochschule für Technik in Auftrag gegebene Machbarkeits-studie für eine unterirdische Citylogistik. Die Gutachter, darunter Prof. Dehdari, hatten am letzten Freitag eine Kurzfassung dieser Studie vor Gemeinderäten vorgetragen und in ihren Schlussfolgerungen nicht nur hohe und auf lange Zeit unwirtschaftliche Kosten und kaum Einsparungsmöglichkeiten an Kohlen-dioxidgas gesehen. Damit war das Konzept für die Vertreter der Gemeinderatsfraktionen in seltener Ein-helligkeit rasch vom Tisch. Ebenso rasch wird eine unterirdisches Citylogisik aber als ein lohnendes und ökologisches Konzept für Stuttgart wieder auf den Tisch kommen, wenn es um die Frage einer Nachfolgenutzung für frei werdende S21-Tunnels gehen wird. Zugegeben, meine Verknüpfung der vorläufig gescheiterten Machbarkeitsstudie der Gutachter mit unserem Umnutzungsvorschlag für S21-Tunnel hat mit der jeweiligen Perspektive zu tun: Es besteht ein Bedarf an einem den Güterverkehr auf den Straßen verringernden, automatisierten, smarten unterirdischen Transport-Konzept. Im Fall des Scheiterns von S21 bietet sich hier in Stuttgart und Dank der Fehlinvestition für S21 geradezu die Chance zur sinnvollen weiteren Verwendung seiner nicht lange nutzlosen Bauteile! Welches Fazit könnten wir aus diesen drei Beispielen ziehen? Sollen wir eifersüchtig und genervt auf die Übernahme unserer Umstiegs-Ideen reagieren? Oder sollten wir uns auch dann darüber freuen, wenn einzelne unsere Ideen aufgegriffen und hoffentlich bald umgesetzt werden? Ich finde, wir können uns gelassen zurücklehnen und uns über plagiierende Übernahmen unserer Ideen freuen, erst recht, wenn noch weitere der Umstiegs-Module umgesetzt werden. So unrealistisch ist das nicht, denn der Bahn und ihren Projektpartnern bläst ein zunehmender Gegenwind ins Gesicht, das enthüllt der neueste SPIEGEL. Weitere hunderte Millionen Euro Mehrkosten sind die aktuellsten Warnzeichen für S21 und ein Beleg dafür, dass dieses Großprojekt in der Sackgasse angekom-men ist. Als Nächstes – darauf können wir wetten – können wir bald das Eingeständnis erwarten, dass sich die zuletzt auf 2025 gekündigte Fertigstellung des Tiefbahnhofs um weitere Jahre verzögern wird. Anstelle des von uns im Umstiegskonzept empfohlenen Endes mit Schrecken für S21 wird es nun zu ei-nem weit schmerzhafteren Schrecken ohne Ende kommen, mit der tragischen Folge, dass der noch gut funktionierende Stuttgarter Hauptbahnhof wegen oder durch S21 vom Fernverkehr abgehängt werden wird. Dazu passt der Seufzer in Friedrich Schillers Schauspiel „Wallensteins Tod“: „Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären“... Stehen wir also weiter uneigennützig im Dienst der besseren Sache und weiter beharrlich auf dem Weg zum: OBEN BLEIBEN!
publish2023-10-20 10:52:49Demo K21-neu Montagsdemo Vorträge und Reden
Rede von Hans-Jörg Jäkel auf der 680. Montagsdemo am 16.10.23rede-von-hans-joerg-jaekel-auf-der-680-montagsdemo-am-16-10-23
(hier als pdf-Datei)

Stuttgart 21 – von Streichholzschachteln zu Schildbürgerstreichen

Aktuell gibt es in Deutschland und in der ganzen Welt schreckliche Ereignisse und Entwicklungen, zu denen ich meine Haltung, meine Sorgen, aber auch meine Hoffnung gern teilen möchte. Dazu gibt es aber zum Glück eine wachsende Zahl anderer Veranstaltungen, und Stuttgart 21 bleibt weiterhin ein fürchterliches Projekt in unserem Land. In den letzten Monaten habe ich verschiedene Projektverantwortliche in einer Art und Weise erlebt, die den desolaten Zustand des Projekts deutlich werden lassen. Darüber will ich Euch heute berichten. Am 26.07.2023 wurde ich zufällig Zeuge, als einer Gruppe mit Herrn Minister Hermann im ITS (Info-turm des Projekts S21) von Herrn Bösinger und Herrn Drescher (Geschäftsführer S21) Informationen mit einem sehr beschönigenden und tendenziösen Niveau gegeben wurden. Die extreme Bahnsteig-neigung von mehr als 6 Meter Höhenunterschied auf 400 Meter Länge (15‰) wurde relativiert, da kein Mensch einen solch langen Schritt machen könne. Auf einen großen Schritt von einem Meter würde dies nur der Höhe einer Streichholzschachtel entsprechen, und da könne nichts wegrollen. Ich selbst habe das Abrollen einer 80 Tonnen schweren Lok mit defekter Bremse bei etwa 1 Meter Höhe und den dadurch angerichteten Schaden beim Aufprall auf mehrere Wagen erlebt. Bei der vom Minister initiierten Diskussion zum Nesenbachdüker wurde dessen Querschnitt zunächst mit etwa 30 m² richtig angegeben. Der Geschäftsführer der DB PSU (Projekt Stuttgart-Ulm) ergänzte diese Aussage auf „fast 50 m²“, was bei 3 Kanälen mit exakt 29,9 m² (0,8+4,6+24,5) doch sehr fragwürdig ist. Ebenso wurden die „fast 100 Züge“ hervorgehoben, die durch ETCS (European Train Control System) angeblich auf den 8 Gleisen des Halbtiefschrägbahnhofs in einer Stunde fahren könnten. Wie die Fahrgäste über die für stündlich etwa 30 Züge geplanten Treppen und Fahrstühle und die schmalen Bahnsteige in diese Züge hinein bzw. heraus kommen, das wurde nicht erklärt. Leider war es dort nicht möglich, kritische Fragen an den Minister zu richten. Aber es war schon sehr bedenklich, mit welcher Märchenstunde eine Gruppe mit Verkehrsminister Hermann abgespeist wurde. Die Leistungsversprechen der Deutschen Bahn werden genauso zusammenbrechen wie die Planungen der Kosten und der Termine. Das haben erstaunlicherweise sogar beim Verband Region Stuttgart fast alle Fraktionen verstanden. Wenn DB Regio und DB Netz zu den Problemen und Perspektiven der S-Bahn Stuttgart berichten, dann gibt es inzwischen Äußerungen wie: „Wir wurden belogen und werden es immer noch“, oder „diese Argumente haben wir schon 10-mal gehört, aber wir glauben sie Ihnen nicht mehr“. Das hätte es so vor einigen Jahren aus den Pro-S21-Fraktionen auf gar keinen Fall gegeben. Auch bei den Zweckverbänden der Landkreise zum Betrieb bzw. zur Reaktivierung regionaler Eisen-bahnstrecken hört man (inoffiziell) solche Äußerungen wie: „Herr Drescher drischt sein Projekt [S21] ohne Rücksicht auf den Rest der Bahn und die Fahrgäste durch“, oder „durch S21 gibt es regelrechte Vergrämungsprogramme für die Fahrgäste“. Wird so das Absteigen von einem toten Pferd bzw. das Verlassen des sinkenden Schiffes vorbereitet? Die Grünen müssen aufpassen, dass sie ihre konstruktive Begleitung des Projekts – kritisch war sie nur vor der Landtagswahl 2011 – nicht erst als Letzte aufkündigen. Bei einem Podiumsgespräch zur Zukunft der Mobilität in Ludwigsburg konnte ich wegen der gravierenden Streckensperrungen der S-Bahn dann doch die Frage an den Verkehrsminister richten: „Warum lassen sich die Projektpartner von Stuttgart 21 durch die Deutsche Bahn als Vorhabensträger erpressen?“ Seine Antwort schockierte nicht nur mich. Er sagte etwa: „Die Zeiten der Erpressung sind vorbei. Wir beraten im Lenkungskreis auf Augenhöhe den Stand des Projekts, stimmen Lösungen ab und klären Möglichkeiten für Verbesserungen“. Mir gefällt diese eigenartige Position als Überleitung zu dem angekündigten Schildbürgerstreich von Stuttgart 21 eigentlich recht gut. Natürlich ist das ganze Projekt voller Schildbürgerstreiche, aber einer ist vielleicht noch nicht so bekannt. Sicher wisst ihr alle, dass die tapferen Bürger von Schilda beim Rathausbau die Fenster vergaßen. Das ist es bei S21 nicht. Da gibt es, bzw. soll es die Lichtaugen geben. Allerdings müssen in einem – vernünftigen – Bahnhof ja die Fahrgäste zu den Zügen und von dort auch wieder weg. Das soll trotz der vorher erwähnten „fast 100 Züge in einer Stunde“ über nur noch vier Bahnsteige erfolgen. Wer nicht das große Glück hat, dass sein Anschlusszug am gleichen Bahn-steig fährt, der muss Treppen, Rolltreppen oder Fahrstühle benutzen. Für jeden Bahnsteig soll es fünf Treppen und sieben Rolltreppen geben – zu drei Zugangsstegen und zum Gang zur S-Bahn, der wegen des besonderen Querschnitts sogenannten „Kartoffel“. Der Haupt-zugangssteg in der Mitte des Halbtiefschrägbahnhofs soll für jeden Bahnsteig zwei Treppen mit vier Rolltreppen erhalten. Dann bleiben noch drei Treppen mit nur noch drei Rolltreppen. Aus Platzgrün-den werden die Treppen zum nördlichen und südlichen Zugangssteg und zur S-Bahn jeweils nur eine Rolltreppe bekommen. Ob die dann aufwärts oder abwärts läuft oder darauf wartet, dass mal gar kein Fahrgast kommt, um ggf. die Richtung zu ändern, das weiß ich leider nicht. Nun fällt es ja schwer zu sagen, dass die fehlenden Rolltreppen vergessen wurden. Es liegt am fehlen-den Platz und der liegt am geringen Abstand zwischen der verbliebenen Attrappe des Bonatzbaus und dem Gebäude der LBBW. Aber vom bzw. zum nördlichen und südlichen Verbindungssteg müssen die Fahrgäste eine weitere Treppe bewältigen oder einen Fahrstuhl benutzen. Nach Norden in Richtung zur ehemaligen Bahndirektion soll es neben der wirklich breiten Treppe die erwarteten zwei Rolltrep-pen geben. Das kann sich jeder auch in einer Simulation im ITS anschauen. Etwas anders sieht es am südlichen Verbindungssteg aus. Über diesen soll die Haltestelle „Staatsgalerie“ der U-Bahn direkt erreichbar werden. Diese neue Anbindung wird als großer Vorteil von S21 gepriesen. Unter einer großen Glaskuppel wird auch dort eine breite Treppe geplant. Aber wer sich die Simulation genau anschaut, der muss leider feststellen, dass dieser südliche Zugang nur eine Roll-treppe hat. Erst habe ich gedacht, dass die Programmierer bei der Simulation einen Fehler gemacht haben. Eine Nachfrage beim ITS hat aber nach 3 Wochen die stolze Antwort ergeben, dass sie keinen Fehler gemacht hätten, sondern dass dies von Herrn Ingenhoven so geplant sei. Dies hat mir auch die Bauleitung so bestätigt. Das kann doch wohl nicht wahr sein, aber an diesem Thema hat sich seit einem Jahr nichts geändert. Aktuell habe ich bei OB Nopper angefragt, ob sich die Stadt Stuttgart diesen Schildbürgerstreich leisten will. Statt der erhofften Antwort: „Ja, die zweite Rolltreppe wird einge-baut“ gibt es auch hier seit 3 Monaten keine Reaktion. Der Murks21 wird immer schlimmer. Aber ich finde, dass wieder mehr Menschen dies auch erkennen und sich offener dazu äußern. Das gibt mir Hoffnung und bedeutet bei aller Verzweiflung auch „Kopf hoch“ und Umstieg21.
publish2023-10-20 10:47:35Demo K21-neu Montagsdemo Vorträge und Reden
Rede von Steffen Siegel auf der 678. Montagsdemo am 2.10.23rede-von-steffen-siegel-auf-der-678-montagsdemo-am-2-10-23
(hier pdf-Datei) Ist es nicht ein irrwitziger Glaube, Klimaschutz gelinge mit weiterem Wachstum und erhalte uns dadurch unseren Wohlstand? Heute hole ich weit aus: In den letzten Monaten des 2.Weltkriegs wurde ich als das jüngste von 6 Kindern geboren. Wir hatten keine Waschmaschine, keinen Kühlschrank, keinen Fernseher, kein Warmwasser aus dem Hahn, kein Auto und dennoch im Rückblick eine schöne Jugendzeit.   In den 50er Jahren waren wir nach der furchtbaren Kriegserfahrung überzeugt, dass es nie wieder Krieg geben werde und der Wohlstand langsam, aber stetig alle Menschen erfassen werde. Doch bereits in den 60er Jahren wurden ökologische Veränderungen sichtbar. Chemie in den Flüssen, Waldsterben, Bodenverseuchungen, Atomkraftwerks-havarien usw. und so organisierte ich mit meinem damals weit über 80jährigen Vater 1992, also vor 31 Jahren, im damals neuen Rotebühlbau eine Tagung gegen das „weiter so“. Wir nannten es „Abschied von der Völlerei“, d.h. Abschied von ständig zunehmenden Ansprüchen, ja, vom ewigen Wachstum. Ich formulierte damals zum Einstieg folgende, heute noch gültigen Worte (wörtliches Zitat von 1992):                                                                                               „Wir leben das erste Mal in der Menschheitsgeschichte in einer Zeit, in der durch Menschen verursacht,viele, über Jahrmillionen gewachsene, natürliche Gleichgewichte sich verlagern, ja, zu kippen drohen.   Wir leben bereits heute in einem ökologischen Notstand. Dieser Notstand übertrifft an Ernst und Gefährdung sämtliche anderen, vorstellbaren Notstände, einschließlich der Gefahr des nuklearen Krieges. Dass unsere Eltern und Großeltern Krieg und Holocaust zuließen, ist für uns heute nicht nachvollziehbar. Unsere Kinder werden uns fragen, was wir getan haben, um das ökologische Unheil abzuwenden und sie werden fassungslos unseren lächerlichen Ausflüchten lauschen.“  (Ende des Zitats von 1992).   Nur so nebenbei zum Nachdenken: Während meines Lebens hat sich die Zahl der Menschen auf unserem Planeten von 2,31 Mrd (1945) auf 8,1 Mrd.(heute) deutlich mehr als verdreifacht!  Und das ist noch nicht das Ende! _________________________________________________________________ Doch nun zu einigen Problemfeldern hier vor Ort: 1.Zum unterschätzten Klimazerstörer, dem Flugzeug. Sie landen und starten Tag und Nacht von den fruchtbarsten Böden der Filder aus in alle Welt und durch S21 soll dieser Flughafen noch an Bedeutung gewinnen. Flugzeuge sind weltweit für ca. 3% des menschengemachten CO2 Ausstoßes verantwortlich.  Sie fliegen in etwa 10km Höhe und stoßen Unmengen von Abgasen aus: CO2, Stickoxide, Ruß, Wasserdampf, (Kondensstreifen, Cirrus Wolken), HC, SO2 , UFP usw. bei Unterdruck, tiefen Temperaturen und starker UV Strahlung  und erhöhen damit die Klimaschädlichkeit des Fliegens mindestens um den Faktor 3 auf etwa 6 bis 9% aller Klimaschädigungen. Die Luftverkehrsindustrie verschleiert, dass das Kernproblem hier keinesfalls die „CO2-Emissionen“ allein, sondern die „Nicht-CO2-Emissionen“ in der Reiseflughöhe sind und diese mit technischen Lösungen nicht nennenswert reduziert werden können und dennoch ist das erklärte Ziel, weltweit eine Verdopplung der Passagierzahlen in den nächsten 20 bis 25 Jahren.   In Stuttgart sagen die Flughafenchefs und der Aufsichtsratsvorsitzende, Verkehrsminister Winne Hermann: „Bis 2040 sind wir klimaneutral“. Auf Nachfrage sagen sie, dass natürlich nur der Anteil des Flugbetriebs gemeint ist, der am Boden stattfindet, also Gebäude, Parkplätze, das Vorfeld usw. nicht die eigentlichen Schädigungen durch Flugzeuge beim Fliegen. Aber selbst der Bodenbetrieb wird niemals klimaneutral werden, weder die Gebäude mit Restaurants und Läden noch die Elektrofahrzeuge und schon gar nicht die Massen beim Passagierverkehr am Boden. Seit Jahrzehnten ignoriert diese hochsubventionierte Flug-branche die nachdrücklichen Warnungen der Wissenschaft über die destruktiven Folgen des ständigen Wachstums des Luftverkehrs. In 2019 lag das Stuttgarter Passagierwachstum bei 7%, das hieße eine Verdopplung in 10 Jahren(!) und selbst die Grünen (Kuhn und Hermann) verteidigten das Wachstum des Flugverkehrs damit, dass der Airport dazu verpflichtet sei. Aber dann muss man halt etwas dagegen tun! Ein großer Einbruch kam durch Corona, doch man ist heute bereits wieder streng auf Wachstumskurs und puscht dies in Stuttgart mit einer neuen Entgeltordnung, in der Fluggesellschaften Geld und Rabatte rausschlagen können, wenn sie z.B. neue Destinationen anfliegen oder deutlich mehr Flugpassagiere transportieren usw.  Der Flughafen spricht von Wachstumsförderung und meint mehr Profit,- auf Kosten des Klimas. Und dann lügen sie sich auch noch in die Tasche und posaunen herum, dass sie bis 2050 klimaneutral fliegen werden (elektrisch oder mit Wasserstoff oder synthetischen Treibstoffen).  Der Lufthansachef: meint: „Die besten Jahre kommen noch!“ und das Bundesverkehrsministerium geht davon aus, dass bis 2050   67% (also 2/3) mehr Flugverkehr stattfindet, aber da will man ja bereits klimaneutral fliegen, also alles halb so schlimm.  Die Wissenschaft allerdings ist sich sicher, dass das bis 2050 in größerem Maßstab nie, nie, nie umsetzbar ist. Was einzig bleibt ist:  Weniger Fliegen! Wir unterstützen die Kampagne der Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF): „20% weniger bis 2030“.  Vielen, -mir auch-, erscheint das viel zu wenig, nur, die Fluggesellschaften wollen ja bis 2030 ihre Flugzahlen sogar um über 20% erhöhen und dann ist der Unterschied schon erheblich!  >>Unterschriftslisten! Im Mai 23 sagte der Stuttgarter Flughafenchef Poralla, Zitat: “Wir bekommen hier am Flughafen 2027 einen Fernbahnhalt (S21). Für viele Unternehmen ist die Möglichkeit einer nachhaltigen (!) Anreise (was immer das ist) ein wichtiges Kriterium für einen möglichen Bürostandort. Wir haben noch verschiedene Baufelder, die wir entwickeln können. Wenn es die Nachfrage gibt, können wir loslegen.“ Zitat-ende! Die wollen, wo es irgend geht, auch am Boden, wachsen.  Wahnsinn, oder? 2.Womit wir beim zweiten Problemfeld sind: dem unverantwortlichen Flächenfraß auf den fruchtbaren Filderböden. In den letzten ca. 30 Jahren wurden allein für die Großprojekte Flughafen- erweiterung, Frachtzentrum, Messe, Autobahnverlegung und Verbreiterung (4, 6, 8-spurig) und S21 Trasse ca. 500 ha bestes Bauernland für alle Zeiten zerstört. Gleichzeitig haben fast alle Filderkommunen Bauland beansprucht für Wohnungen, Gewerbe, Straßen, Sportplätze usw. Neuhausen, Denkendorf, Ostfildern, Möhringen, Vaihingen, L.E.-, Filderstadt,…  so kommt man locker auf weitere 500 ha also in der Summe auf über 1000 ha einzigartiger Filderböden, die wir der Nachwelt in den letzten 2 bis 3 Jahrzehnten für immer entzogen haben.           Die wollen aber so weitermachen!        Die Gemeinden haben vielfältige Aufgaben für Schulen, Straßen, Versorgung usw. und brauchen dafür Geld. Dieses besorgen sie sich u.a. über den Verkauf von (Bau-)Land. Dadurch kommen aber neue Einwohner, auch mit weiteren Ansprüchen, man benötigt also noch mehr Schulen, Straßen, Geschäfte usw. also wieder Geld, also erneuten Flächenverkauf…   ein Teufelskreis ohne Ende. Die oben sehr freundlich geschätzten 1000 ha entsprechen 10 km2 und das ist eine Rechtecksfläche mit den Seiten 1 km und 10 km.    Böden sind wichtige, natürlichen Kohlenstoffsenken. Jeder Quadratmeter ist für den Klimaschutz und für die Ernährung zwingend notwendig. Jeder zubetonierte Acker vergrößert den Hunger in der Welt. Wir fordern deshalb:                                                                                                        „Kein Quadratmeter fruchtbarer Filderboden darf mehr zugebaut werden“.       Noch im Jahr 2019 ließ der Verband Region Stuttgart eine Studie erstellen mit dem Titel: "Weiterentwicklung der räumlichen Wachstumspotenziale im Filderraum".      Also nichts anderes als, wie kann ich möglichst geschickt weiter zerstören. Darüber diskutierten die Kommunen ernsthaft, statt es in Grund und Boden zu verdammen. Eigentlich müsste man eine Studie fordern mit der Zielrichtung: "Stopp jedes weitere Wachstums, - es geht um Umkehr, Entschleunigung usw." Das Gewissen beruhigte man sich z.B.mit begrünten Brücken. Die Autoren der Filderstudie schlagen u.a. vor: Aufsiedlungen in Vaihingen, Fasanenhof, Echterdingen, Filderstadt, rings um den Flughafen, dort allein fast 90 ha meist landwirtschaftliche Fläche, großes Gewerbegebiet und Aufsiedlung in Neuhausen usw., Aufsiedlung entlang der geplanten S-Bahnverlängerung nach Neuhausen. Aufsiedlung dort hieße deutlich mehr Menschen, mehr Autoverkehr als die S-Bahn jemals wegschaffen könnte usw.  Alle irre! 3.Tunnelmanie:  Ein Tunnel macht einen gewissen Sinn, wenn man ihn durch einen großen Berg führt, dessen Überwindung Schwierigkeiten bereitet. Nur hier ist alles anders:                                                                                                     a. Bei der Neubaustrecke Ulm - Wendlingen z.B. fährt man weitgehend in 60 km langen, steilen Tunneln mit größtem Energieaufwand über einen Berg (Alb), Güterverkehr geht schon gar nicht! Völlig irre. Oder?                                                                  b. Zu S21:In Stuttgart fährt man unter einem Kessel mit über 120 km Tunnelgewirr im schwierigen Untergrund (Anhydrit, Mineralwasser,…) durch > auch irre, oder?
  1. Auf den Fildern plant man den Pfaffensteigtunnel mit ca. 23 km Röhren unter einer fruchtbaren Ebene, obwohl wir für die Gäubahnschöne oberirdische Gleise über Vaihingen in den Stgt HBHF zur Verfügung haben. > noch viel irrer. Der Flughafen erhofft sich dadurch ohne jede belastbare Prüfung bis zu 1,5 Mio mehr Fluggäste pro Jahr (Fundel).                                                                                                               Also: Bahnfahren verstärkt das klimaschädliche Fliegen.  Irre?
Nun, ihr wisst dies ja, der horizontale Pfaffensteigtunnel bringt maximal 4 Minuten Zeitgewinn und ermögliche dadurch angeblich den Deutschlandtakt und das für über zwei Milliarden € (das sind 2 000 Millionen) und 15 Jahre Bauzeit. Der 8-gleisige Schrägtiefbahnhof in Stuttgart wird dadurch keinen cm breiter und dieses Nadelöhr verhindert auf alle Zeiten den Deutschlandtakt, egal was man an den Zufahrten manipuliert.                                                                                                                    Für all diese Bautätigkeiten sind unvorstellbare Mengen an Beton (Zement) nötig.                                                                                                                      Weltweit ist Beton und Stahlbeton für etwa 8 - 10% der menschengemachten Klimaschäden verantwortlich. Wir hier in Stuttgart sind durch das Fliegen (ca. 8 bis 9% Klimaschädigung weltweit) und durch unsere wahnwitzigen Bautätigkeiten (ca. 8 bis 10% Schädigung weltweit) entscheidend mitverantwortlich an den weltweiten Klimaschäden. Und die Mehrzahl der Zerstörer schwört noch weiter auf fortwährendes Wachstum und behauptet, sie schützten damit das Klima und sicherten dadurch unseren Wohlstand!  >irre 4.Stuttgart und S21   Herr Paetzold behauptet, durch die Gäubahnzufahrt über die schöne Panoramastrecke würden seine geplanten Bautätigkeiten in Stuttgart behindert, also brauche man den neuen Pfaffensteigtunnel über die Messe und außerdem wolle man doch auf den durch S21 nicht mehr benötigten Gleisflächen, das Rosensteinquartier aufbauen. Also unten Tunnel, oben Bebauung! Wir bräuchten dringend Wohnungen und Büros. Aber: Gleisflächen heizen sich tagsüber auf und kühlen nachts ab, das heißt, es bilden sich starke Luftströme. Diese Durchlüftung wird die immer stärkere, klimabedingte Überhitzung des Stuttgarter Kessels abmildern. Die neue Bebauung verhindert dies und bringt mehr Menschen nach Stuttgart, mehr Autos und Abgase bei gleichzeitiger Reduzierung des Bahnverkehrs (K21> S21), Regen kann nicht mehr versickern, das Grundwasser wird weiter absinken. Dann kocht es eben im heißen Kessel. Zus.fassung: Ein hervorragender Bahnhof wird zerstört, der Schlosspark geschreddert, der neue Tiefbahnhof ist deutlich leistungsschwächer, ein ITF ist unmöglich, d.h. es wird mehr Autoverkehr in der Stadt entstehen, es wird eine neue Gewerbe- und Wohnlandschaft auf dem bisherigen Gleisfeld entstehen und gewiss kein sozialer Wohnungsbau. Durch die Bebauung des ehemaligen Gleisfeldes wird das Stadtklima dramatisch verschlechtert. und sie behaupten, dies sei ökologisch sinnvoller als Gleisflächen.                                                         Dies alles ist an Absurdität kaum zu überbieten.                                                   Tatsächlich wird in der Klimakrise die Kluft zwischen Wissen und Handeln immer größer. Die haben, so scheint es, den gesunden Menschenverstand vollständig überwunden.                                                                                              Ich nenne es ein Verbrechen an unseren Kindern und Enkeln   Was tun?     S21 sofort stoppen, steigen wir um auf den Umstieg 21.                                          Die Milliarden, die ja dann bei S21 frei würden, sollte man zum weiteren Verbessern des schon sehr guten Kopfbahnhofs verwenden, um ihn vom jetzt pünktlichsten Bahnhof zum allerbesten zu machen, nicht zuletzt wegen seines   genialen Gleisgebirges.                                                                                                                     Und außerdem kein m2 fruchtbaren Boden mehr zubetonieren, mindestens 50% weniger fliegen, 90% weniger Bautätigkeit usw. Aber, Minister Wissing schafft nicht mal ein Tempolimit - das wäre sofort umsetzbar und kostete nichts.  Es ist zum Heulen. Und, noch nie wurden so viele Autos neu zugelassen und insbesondere so viele sinnlos große SUV´s, und in der Krise sollen auch noch die Boni der Zerstörer erhöht werden.  Bahnchef Lutz bekommt zu seinem hohen Grundgehalt schon jetzt über 1 Million Boni im Jahr. Was will der mit noch mehr Geld?                            Vielleicht im Geld schwimmen wie Dagobert Duck? Ich erinnere an den Anfang meiner Rede: Während meiner 20-minütigen Rede ist die Weltbevölkerung wieder um über 3000 Menschen angewachsen Heute habe ich alles: Waschmaschine, Kühlschrank, Fernseher, Warmwasser aus dem Hahn, altes Auto. und vieles mehr. Ich und ihr alle hier schädigen sicher auch das Klima, aber im Vergleich zu den großen Zerstörern (s.0.), sind wir extrem unbedeutend. Wir brauchen überall eine deutliche Entschleunigung, wir müssen unsere Ansprüche deutlich herunterschrauben und das ständige Wachstum stoppen, Wir müssen endlich enkelverträglich planen und leben. Ein sehr kluger Anfang dazu wäre:             „Oben Bleiben“
publish2023-10-04 14:24:29Demo K21-neu Montagsdemo Vorträge und Reden
13 Jahre nach dem Schwarzen Donnerstag 30.9.202313-jahre-nach-dem-schwarzen-donnerstag
(hier als pdf-Datei) Dieter Reicherter: 13 Jahre nach dem Schwarzen Donnerstag: Wir vergessen nicht! Am 30.9. jährte sich der Polizeieinsatz im Stuttgarter Schlossgarten von 2010. Bei dem später vom Verwaltungsgericht Stuttgart für rechtswidrig erklärten Vorgehen der Staatsgewalt mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstöcken gegen friedlich Demonstrierende, darunter viele Kinder und Jugendliche, gab es Hunderte von Verletzten. Der Polizeieinsatz diente dazu, die Fällung von zum Teil hunderte Jahre alten Bäumen im Schlossgarten trotz eines vom Eisenbahnbundesamt ausgesprochenen Verbots zu ermöglichen. Die Bäume hatten dem Projekt Stuttgart 21 im Weg gestanden. Wie in jedem Jahr versammelten sich zum Gedenken an die unfassbare staatliche Gewalt zahlreiche Menschen, darunter viele Betroffene. Die 677. Montags-Demo stand mit Reden von Daniel Kartmann, einem der Schwerverletzten und von Dieter Reicherter, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, ganz im Zeichen des bis heute nicht aufgearbeiteten Geschehens. Daniel Kartmann ist als Folge des Beschusses durch einen Wasserwerfer bleibend geschädigt und im Sehvermögen stark eingeschränkt. Der Berufsmusiker fasste seine sehr persönlich gehaltenen Gedanken unter dem Titel „Wir vergessen nicht!“ zusammen. Sein Fazit lautete: „Es ist nicht nur so, dass die Bäume dem Projekt Stuttgart 21 zum Opfer gefallen sind. Wir alle wurden zu Opfern.“ Dieter Reicherter richtete mit seiner Rede „13 Jahre Schwarzer Donnerstag: Wir kämpfen weiter gegen die Umweltzerstörung“ den Blick auf den fortdauernden Einsatz der Bürgerbewegung gegen Stuttgart 21 für den Erhalt einer lebenswerten Umwelt sowie für einen guten und zuverlässigen Bahnverkehr. Im Mittelpunkt stand seine Aussage: „Klimawissenschaftler*innen und Sachkundige bestätigen uns ganz klar, dass in Zeiten der Erdüberhitzung die Bebauung des Gleisvorfelds mit dem Stadtviertel Rosenstein ein Frevel ist.“ Direkt am Jahrestag selbst veranstaltete die Gruppe der Seniorinnen und Senioren eine vielbesuchte Kundgebung an der Mahnwache gegenüber dem zerstörten Hauptbahnhof. Dabei wurde des vor kurzem verstorbenen Dietrich Wagner in Anwesenheit seiner Frau Erika gedacht. Er war am 30.9.2010 nahezu blind geschossen und dadurch zum Symbol der Polizeigewalt geworden. Petra Brixel stellte ihre Rede ebenfalls unter das Motto: „Wir vergessen nicht!“ Sie blickte zurück: „Ein Tag, an dem Vertrauen in die Regierung und Polizei, an dem ein Gefühl von Sicherheit verloren ging, weil polizeiliche Willkür herrschte, die später als Unrecht juristisch anerkannt wurde.“ Nach einem Gedankenaustausch mit den Versammelten erklärte sie abschließend: „Wir vergeben nicht, weil die Schuldigen keine Einsicht in ihr Unrecht hatten und sie auch nicht um Entschuldigung oder Vergebung gebeten haben." Man denke nur an die Rolle des heutigen Innenministers und Stellvertretenden Ministerpräsidenten Thomas Strobl (CDU). Bis heute hat er sich nicht von seiner Pressemitteilung vom 26.9.2010 als damaliger CDU-Generalsekretär distanziert. Nur vier Tage vor dem Polizeieinsatz hatte er Öl ins Feuer gegossen mit der Aussage: „Einen Teil der Demonstranten braucht man nicht kriminalisieren, der ist selber kriminell geworden.“ Angesichts solcher Äußerungen müssen sich die Verantwortlichen nicht wundern, dass auch im 14. Jahr das Motto gilt: Wir vergessen nicht!“ Hier die drei genannten Reden: Petra Brixel – Rede an der Mahnwache am 30.9.2023 Die Gruppe der Seniorinnen und Senioren gegen Stuttgart 21 hatte sich Gedanken zum heutigen Datum gemacht, zum Gedenktag „Schwarzer Donnerstag vor 13 Jahren“. Wir haben uns für ein ruhiges – nicht für ein stilles – Gedenken entschieden. Das heißt: Wir stehen zusammen, reden, erinnern uns und tauschen uns aus. Eigentlich wurde am letzten Montag auf der Bühne alles gesagt, was es zu diesem Unrecht vor 13 Jahren zu sagen gibt. Daniel Kartmann und Dieter Reicherter haben so prägnant gesprochen, dass dem nichts hinzuzufügen ist. Diesen beiden danken wir von Herzen. Dabei wurde auch dem kürzlich verstorbenen Dietrich Wagner noch einmal die Ehre erwiesen. Denn darum geht es doch: Wir vergessen nicht! Wir vergessen nicht die Menschen, die damals aufgestanden sind. Wir vergessen nicht den 30. 9., den Tag der Schande für Polizei und Regierung der Stadt Stuttgart und Baden-Württembergs. So viele namentlich bekannte Personen, die sich mit Schande bedeckt haben. Ich werde nicht ihre Namen nennen, das wäre der Ehre zu viel. Ihre Namen sind bekannt, aber unsere Pfiffe für sie wären nicht genug der Verachtung. Und Verachtung ist es, was wir ihnen gegenüber ausdrücken. Das hat nun nichts mit Vergebung zu tun, denn viele von uns sagen: Wir vergessen nicht, und wir vergeben nicht. Wie kann man verlorenes Augenlicht und zerstörte Lebensperspektive je vergeben? Es ist nötig, sich immer wieder – und wenn es auch nur einmal im Jahr ist – sich dieses Tages im Schlossgarten zu erinnern. Ein Tag, an dem Vertrauen in die Regierung und Polizei, an dem ein Gefühl von Sicherheit verloren ging, weil polizeiliche Willkür herrschte, die später als Unrecht juristisch anerkannt wurde. Wir alle wissen, was dem 30.9. gefolgt ist. Dass wir immer noch jeden Montag auf dem Schlossplatz stehen, hängt auch damit zusammen. Skepsis und Wachsamkeit nahmen bei vielen von uns am 30.9. ihren Anfang. Gut so. Nicht schlafen. Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind! Seid misstrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen! Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird! Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! (Günter Eich) „Wir vergessen nicht“, steht auf unseren Plakaten. Das ist eine Mahnung an die Ordner der Welt – aber auch an uns. Und – nun komme ich zu der anderen Seite des Appells: Wir sollen das Unrecht nicht vergessen, aber wir sollen auch das Schöne nicht vergessen! Ich sage: Vergessen wir nicht die tollen Feste im Park. Was haben wir für Feste gefeiert, immer im Glauben, den Park mit unserer Hoffnung und unserm Widerstand erhalten zu können. Was hatten wir für Musiker im Park! Hannes Wader und Konstantin Wecker. Und Daniel Sissenich. Und Timo Brunke. Und, und … Was hatten wir für tolle Diskussionen im Park, und es gab selbstgemachte Marmelade. Es gab die Parkwache, es gab Kunstausstellungen in einem Container, es gab Kunst an und in den Bäumen, Bruno hat Baumführungen gemacht, dazu kamen Picknicks, Geburtstagsfeiern, sogar Hochzeiten, Andachten und immer wieder Kundgebungen mit Tausenden und Abertausenden. Wir haben den Südflügel geschützt. Hatten dort ein Café und Architektur-Vorträge. Nächte haben wir am Südflügel verbracht, – und es hat Spaß gemacht. Und dann die legendären Blockaden am GWM-Tor. Frühstück am Bautor, auch dort wurden Geburtstage gefeiert. Wir wollen nie das vergessen, was der Park uns gegeben hat: viele auch unbeschwerte und fröhliche Stunden und vor allem ein wachsendes Bewusstsein, ein Gefühl von Solidarität und eine innere Reifung. Wir vergessen nicht das Unrecht, aber wir vergessen auch nicht das Glücksgefühl, wenn wir Punkte für uns verbuchen konnten, wenn wir erkannten, dass wir Sand im Getriebe von Macht und Gier waren. DAS dürfen wir nie vergessen, dass ohne uns dieses Projekt mit Ignoranz, Arroganz und Menschen- und Naturverachtung durchgezogen worden wäre, dass uns Hören und Sehen vergangen wäre. Wir werden nie vergessen, dass wir stark waren und es immer noch sind. Deshalb bleiben wir oben. Daniel Kartmann Rede auf der 677. Montagsdemo am 25.9.2023 Liebe Freundinnen und Freunde, ich freue mich, dass ich heute hier sein kann und bin dankbar, dass ich gefragt wurde, vor und für euch zu sprechen. Am nächsten Samstag, dem 30.9. jährt sich – wie ihr alle wisst – der schreckliche Polizeieinsatz im Schlossgarten zum 13. Mal. Wir gedenken heute dieses Tages, der als sogenannter „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte Stuttgarts und in unser kollektives Gedächtnis geschrieben wurde. Dieser Tag bedeutet bis heute einen Einschnitt in unser aller Leben. Es gibt ein Davor und ein Danach. Für niemand anderen war der Einschnitt jedoch so gravierend, wie für Dietrich Wagner. Die Bilder seiner schlimmen Verletzungen gingen um die Welt. Leider ist Dietrich dieses Jahr am 28.Juni verstorben. Es ist heute die erste Demo zum Jahrestag, die ohne ihn in unserer Mitte stattfindet. Neben dem Schmerz, einen vertrauten Menschen zu verlieren, bedeutet sein Fehlen natürlich auch ein Verlust als Zeuge dieses Unrechts, das an diesem Tag geschah. Ich habe ihn oft erzählen gehört, ob bei Presseterminen, im Gerichtssaal, auch in einigen privaten Begegnungen im persönlichen Gespräch. Es war erschütternd und ermutigend zugleich. Erschütternd, da ich meine eigene Verletzung, die um einiges weniger schwerwiegend war als seine, kaum darstellen und begreifen konnte und mir nicht ausdenken konnte, wie man das aushalten kann, was Dietrich Wagner erleiden musste. Nie werde ich vergessen, wie ich am Morgen des 1. Oktober 2010, nach einer albtraumhaften Nacht in der Charlottenklinik, die Zeitung mit seinem Bild – blutüberströmt, gestützt von zwei Männern und mit heraushängenden, zerfetzten Augen – in die Hände bekam. Mein eigenes rechtes Auge war tags zuvor im Park ebenfalls direkt vom Wasserwerfer getroffen worden, so dass ich nur mit meinem linken schemenhaft dieses Bild des Grauens erkennen konnte. Und in diesem Moment wurde mir klar: ich bin mit diesem Mann verbunden, ich bin auch Opfer. Es fiel mir unglaublich schwer weiterzumachen, in meiner Rolle als Opfer. Ich habe fast die ganzen dreizehn Jahre gebraucht, um zu überwinden, zu verarbeiten und heilen zu lassen. Bei Dietrich Wagners Trauerfeier auf dem Waldfriedhof habe ich mich gefragt, warum eigentlich niemand von der Stadt oder gar von der Landesregierung abgesandt wurde, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Mal abgesehen davon, dass es möglicherweise als pietätslos hätte empfunden werden können, hätte ich persönlich eine zumindest kleine Geste der Anteilnahme von offizieller Seite angemessen gefunden, die auch mir gutgetan hätte. Es folgte jedoch eine ganz andere Geste: während der Beisetzung am Grab, die Blaskappelle blies gerade den Trauermarsch, erdreistete sich doch tatsächlich ein Polizeimannschaftswagen, direkt hinter dem Friedhofszaun gut sichtbar, seine drei, vier Runden über den Parkplatz zu drehen – der Teufel (oder vielleicht der Kretschmann) weiß, wer den geschickt hatte. Auf mich wirkte das wie: „Seht her, wir sind die Macht und ihr seid die Opfer“. Da rissen die alten Wunden in mir fast wieder auf und die Wut kam wieder hoch. Zum Glück war ich eben nicht allein, in der Runde derer, die auch heute hier sind. Ich wollte nicht wieder dieses Gefühl der Ohnmacht haben, das ich verspürte, als ich eingekesselt, vom Wasserwerfer direkt ins Auge getroffen wurde. Ich musste aus dieser Rolle heraustreten. Es gelang – weil niemand in dieser Situation dem Treiben dieses komischen Aufmarsches irgendeine Bedeutung gab. Es war wie eine innere Rebellion, eine Kraft in mir, die ich bis heute verspüre. Es ist die Kraft, sich zu widersetzen. Aus innerer Überzeugung: „Nein“ zu sagen. Es ist unser, in unserem Grundgesetz verbürgtes Recht, seinem Gewissen verpflichtet zu sein, seine Meinung zu vertreten und dafür einzustehen, ja auch dafür zu kämpfen. Dieser Ausspruch von Martin Luther: „Hier stehe ich und kann nicht anders“ hat mich als Sohn eines evangelischen Pfarrers schon als Kind beeindruckt. Er war für mich lange ein Vorbild. Es ist immer etwas heikel, sich durch Vorbilder leiten zu lassen. Ein anderes Zitat von Luther hat mich fast noch mehr geprägt: „Selbst wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Baum pflanzen.“ Margot Käßmann hat in ihrer wunderbaren Rede genau hier vor ein paar Wochen diesen Spruch zitiert. Er hat mich im Herzen bewegt und mir den Mut und auch die Inspiration wieder gegeben zur erneuten Umkehr. Heraus aus der Lethargie, der Ohnmacht und der Lähmung. Keine Angst zu haben, vielleicht einen Fehler zu machen. Denn in der Gemeinschaft, im Gespräch, in der Diskussion, im gemeinsamen Protest sind wir in der Lage, unterschiedliche Meinungen auszuhalten. Daran müssen wir uns erinnern. Die Aufgaben, die auf uns alle warten, um unseren Planeten, unser Land und eben unsere Stadt noch als lebenswerte Orte zu erhalten, sind gewaltig. Wir werden alle unsere Anstrengungen brauchen, um die Zerstörung unseres Lebensraumes zu stoppen. Zumal wir immer noch in einem System leben, das nur existieren kann, weil es zerstört. Diese Zerstörung macht Menschen zu Opfern. Dietrich Wagner und ich, und neben uns viele von euch, die auch heute hier sind, haben das in Stuttgart am 30.9.2010 am eigenen Leib erfahren. Es ist nicht nur so, dass die Bäume dem Projekt Stuttgart 21 zum Opfer gefallen sind. Wir alle wurden zu Opfern. Die Regierenden, die Deutsche Bahn und all die Profiteure der Machenschaften um S21 haben das ausgenutzt und die Zerstörung bis heute fortgesetzt. Die Vorgänge bei S21 der letzten Jahre sind uns allen bekannt. Täuschung, Manipulation, Betrug und immer wieder auch Gewalt, haben dazu geführt, dass der große Protest aus dem Herbst 2010 irgendwann mehr und mehr eingeknickt ist in meinem direkten Umfeld. Es wurden fragwürdige, sogenannte unumkehrbare Fakten geschaffen. Meine Generation der damals Dreissigjährigen musste sich um die eigene Absicherung, die Existenzsicherung der Familie oder deren Aufbau kümmern. Abschreckung und Angst sowie auch mal ein gutes, altes Machtwort (der Käs isch gessen, ihr wisst schon) taten ihr Übriges, um die Leute mehr und mehr vom Weg zur Montagsdemo abzuhalten. Wir wurden mehr und mehr Opfer auch der Umstände. Resignation machte sich breit und machte mir, neben der Aufarbeitung meiner Verletzung zusätzlich zu schaffen. Es gab Phasen des Aufbäumens und Phasen das nötigen Rückzugs. Parallel ging dieser Protest, diese kritische Begleitung dieses abstrusen Projektes stets weiter. Corona stellte die Bewegung und uns alle im Miteinander nochmal auf eine ganz andere Probe. Ein anderes Mittel der Zerstörung machte die Runde: die Spaltung. Diese wurde noch durch diesen unsinnigen Krieg und eine für uns alle nicht zu überblickende Berichterstattung und wechselseitige Propaganda in den Leitmedien sowie den sozialen oder manchmal asozialen Medien befeuert. Ich denke Dietrich Wagner kann in Vielem, was er tat, für uns Vorbild und Ermutigung sein. Sein Erzählen und Auftreten in den letzten Jahren und sein Engagement gegen Polizeigewalt auf der ganzen Welt hat mich ermutigt. Ermutigt, meine Opferrolle zu verlassen und trotz dessen, was mir widerfahren ist, aufzustehen und wieder aktiv zu werden, mich zu engagieren und weiter zu kämpfen. Aber nicht alleine, sondern in Gemeinschaft. Das ist vielleicht das Wichtigste, was ich euch sagen möchte und ich richte hiermit einen Appell an euch – aber vor allem an mich selbst: Folge deiner inneren Stimme und sage weiter Nein zu Unrecht, Gewalt, Krieg und jedwelcher unsinnigen Zerstörung. Tun wir uns immer wieder zusammen. Sprechen wir mit unseren Nachbarn, auch und gerade mit denen, die anders denken. Bleiben wir offen und geben nicht auf! Mir wurde die Gabe gegeben, durch Musik Menschen zusammen zu bringen und sie zu bewegen. Das ist, was ich tun kann. Jede und jeder von uns hat eine Gabe, die besonders ist und die wertvoll ist für uns alle. Erinnern wir uns daran, dass wir in unserem Innersten stets das Gute wollen und geben es weiter. Heben wir unseren Blick, damit wir weiter: oben bleiben!   Rede von Dieter Reicherter auf der 677. Montagsdemo am 25.9.2023 13 Jahre Schwarzer Donnerstag: Wir kämpfen weiter gegen die Umweltzerstörung! Liebe Freundinnen und Freunde, am vergangenen Samstag war ich bei einem Stadtspaziergang in Stuttgart. Wir waren auch im Stadtgarten, der erstaunlicherweise bis auf einen fürchterlichen trockengelegten Betonbrunnen noch als Ort der Erholung erhalten ist. Als wir einem Vortrag zur Jahrhunderte umfassenden Geschichte des Stadtgartens lauschten, prasselten plötzlich Kastanien auf uns. Und schon waren die Bilder des 30. September wieder in mir. Zuallererst musste ich an Dietrich Wagner denken, dem damals vorgeworfen wurde, den Wasserwerfer mit einem Geschoss angegriffen zu haben. Zum Glück konnten wir nachweisen, dass er mit Kastanien geworfen und nichts beschädigt hatte. In den vergangenen Jahren konnten wir Dietrich und seine Frau Erika bei unserer Demo zum Jahrestag immer persönlich begrüßen. Vor wenigen Monaten durften wir noch mit ihnen Hochzeit feiern. Doch schon wenige Wochen später mussten wir Dietrich Wagner zur letzten Ruhe begleiten. Nach der Trauerfeier hatten wir noch mit Erika besprochen, dass sie heute unser Ehrengast sein sollte. Aber leider musste sie aus gesundheitlichen Gründen absagen. Umso mehr freue ich mich, dass mein Vorredner Daniel Kartmann – wie Dietrich Wagner einer der Schwerverletzten – sich bereit erklärt hat, unsere Arbeit zu unterstützen und auch öffentlich aufzutreten. Dafür möchte ich ihm und auch seiner Familie ganz herzlich danken. Zurück zu den Kastanien: Bekanntlich behauptete der damalige Innenminister Rech, der sich im Gegensatz zu Ministerpräsident Mappus um die Planung des Polizeieinsatzes nicht gekümmert hatte, abends im Fernsehen, wir hätten mit Pflastersteinen auf die Polizei geworfen. Tatsächlich waren vor dem Polizeieinsatz Pflastersteine im Schlossgarten gelagert. Dass Menschen aus unserer Bewegung diese Pflastersteine rechtzeitig weggeräumt hatten, ist dem Herrn Minister offenbar entgangen. Damit war ein möglicher Plan der Politik, unsere friedliche Bewegung als gewalttätig abzustempeln, gescheitert. Und schon bin ich bei einem aktuellen Bericht der Stuttgarter Zeitung. Denn Tim Höhn, immerhin Nachrichtenchef der Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten, hat in einem Artikel geschrieben, der Schwarze Donnerstag, „als der Protest um S 21 eskalierte“, habe sich ins kollektive Gedächtnis der Stadt gebrannt wie die Stuttgarter Krawallnacht und jetzt die Gewaltexzesse von Eritreern. Das liest sich gerade so, als wären wir am 30.9. die Gewalttäter gewesen und nicht die Opfer. Herr Höhn hat offenbar schlecht oder gar nicht recherchiert. Sonst wäre ihm aufgefallen, dass später der Polizeieinsatz vom Verwaltungsgericht Stuttgart für rechtswidrig erklärt wurde. Auch hätte er unschwer herausgefunden, dass im Schlossgarten die Gewalt von der Polizei ausging – mit massiven Verstößen gegen die Vorschriften zum Einsatz der Wasserwerfer, des Pfeffersprays und der Schlagstöcke. Und offensichtlich ist ihm auch entgangen, dass auf Seiten der friedlichen Bürgerinnen und Bürger Hunderte von Verletzten, darunter auch einige Schwerverletzte, zu beklagen waren. Selbst Oberstaatsanwalt Häußler konnte nichts daran ändern, dass deswegen der damalige Polizeipräsident Stumpf zur Rechenschaft gezogen wurde. Ich hoffe mal, dass Herr Höhn zum Jahrestag des Polizeieinsatzes einen objektiven Bericht schreiben wird. Gern stehe ich ihm zur Verfügung mit Auskünften und brisanten Dokumenten. 13 Jahre sind eine lange Zeit. Aus unseren Erfahrungen haben wir gelernt und uns nicht einschüchtern lassen. Dennoch war ich entsetzt, als mir kürzlich ein Mensch aus unserer Bewegung erzählte, in jener Zeit habe er sich nicht getraut, nach Demos oder Aktionen allein den Heimweg anzutreten. Immer wieder habe er erlebt, dass Protestierende von Polizisten schikaniert worden seien. Dazu passt der geheime Rahmenbefehl zu Stuttgart 21, von dem ich hier schon öfter berichtet habe und der ein Misstrauen und eine Überwachungsmentalität der Verantwortlichen zeigt. Das ist mit Versammlungs- und Meinungsfreiheit in einer lebendigen Demokratie schlichtweg unvereinbar. Ein Blick zurück im Zorn hilft uns und unserem Kampf aber wenig. Ich will deswegen euren Blick in die Gegenwart lenken. Denn schon vor dem Schwarzen Donnerstag und am Tag der Polizeigewalt ging es nie nur um einen Bahnhof, sondern immer auch um Erhalt von Natur und Umwelt sowie um einen guten und klimaverträglichen Bahnverkehr. Die zum Teil Jahrhunderte alten Bäume im Schlossgarten und später im Rosensteinpark, die dem sinnlosen und teuren Projekt Stuttgart 21 im Wege standen, konnten wir zwar nicht retten. Mit Stolz dürfen wir aber in Anspruch nehmen, die Themen Umweltschutz und auch Artenschutz vorangebracht zu haben. Gerade hier in Stuttgart wäre der Protest von Fridays for Future und anderen, den wir immer unterstützen, ohne diese Erfahrungen nicht denkbar. Denn es geht bei den Protesten nicht darum, abstrakt eine bessere Politik und Bewahrung der Schöpfung zu fordern, sondern man muss immer konkret den Finger in die Wunde legen. Und das bedeutet, dass wir weiter bei Stuttgart 21 auf die Risiken und Gefahren hinweisen. Die explodierenden Kosten, der Finanzierungsprozess beim Verwaltungsgericht, die mangelhafte Leistungsfähigkeit, der nicht funktionierende Brandschutz, die Kappung der Gäubahn und die Märchen zur Einführung von ETCS bieten genügend Stoff. Und jetzt hat die Bahn auch noch bemerkt, dass im Berliner Hauptbahnhof, der noch nicht mal 20 Jahre alt ist, die Bahnsteige zu schmal und überhaupt die Flächen zwischen den Gleisen zu klein sind. Jetzt frage ich mal ganz naiv, ob die Bahnsteige im Kellerbahnhöfle größer sind? Nun aber zu unserem Kampf, eine lebenswerte Umwelt zu bewahren und sie gegen das unsinnige Immobilien- und Bahnprojekt zu verteidigen. Denn nicht nur das Stadtklima, sondern insbesondere auch die Tier- und Pflanzenwelt sind in Gefahr. Jeder Wissenschaftler und jeder Sachkundige bestätigt uns ganz klar, dass in Zeiten des Klimawandels die Bebauung des Gleisvorfelds mit dem Stadtviertel Rosenstein ein Frevel ist. Man muss es deutlich sagen: Wenn es an rechtsverbindliche Bebauungspläne geht, stehen die Klimaschutzgesetze direkt entgegen. Während zum Beispiel Mannheim im Rahmen der Bundesgartenschau eine große Fläche entsiegelt und begrünt und dadurch eine Senkung der Temperaturen um 3 bis 4 Grad erreicht hat, wird die Stadt Stuttgart mit der Bebauung und Versiegelung genau das Gegenteil bewirken. Nicht genug damit, im windarmen Talkessel wird der Luftaustausch nach internen Dokumenten des Amtes für Umweltschutz ab einer Höhe der Bebauung von 10 Meter bis zum Erdboden total blockiert. Hinzu kommt der Verlust von zahlreichen auf der Roten Liste stehenden Tier- und Pflanzenarten, die sich dort im Laufe von über 100 Jahren angesiedelt haben. Ganz abgesehen davon, dass durch die Folgen der Bebauung die angrenzenden Parkflächen massiv beeinträchtigt würden. Ähnliches gilt übrigens auch bei einer Stilllegung der Panoramastrecke, die die Stadt ebenfalls bebauen will. Wir sagen Nein zu diesen Verbrechen gegen Klima und Umwelt und kämpfen schon deshalb weiter. Gerade konnten wir auch den Skandal um die Rostrohre öffentlich machen. Viele Jahre wurde durch die blauen Rohre Rostbrühe ins Erdreich, in das Grundwasser und in den Neckar gespült. Wir wiesen auf das Versagen der Kontrollen hin. Die zuständigen Behörden haben offensichtlich weder die Verwendung korrosionsbeständiger Rohre, wie sie der Planfeststellungsbeschluss vorgeschrieben hatte, überwacht, noch Wasserproben entnommen, die leicht bewiesen hätten, dass die versprochene Trinkwasserqualität ein Märchen war. Wenn ihr abergläubisch seid und 13 für eine Unglückszahl haltet, kann ich gerne mit einem optimistischen Blick in die Zukunft dienen. Denn dann kann das 14. Jahr nur besser werden und wir schauen selbstbewusst in eine bessere Zukunft, in der wir weiter: Oben bleiben! Auf https://www.bei-abriss-aufstand.de/: die Montagsdemo vom 25.9. mit den Reden von Daniel Kartmann und Dieter Reicherter als Text und Video.
publish2023-10-03 11:59:50Aktuelles Demo K21-neu newS21letter
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